Ein Herzberger in Australien

Dies ist die Geschichte meiner zweimaligen Auswanderung nach Australien. Ich heiße Wolfram Dallwitz, geboren am 14/2/1951 und bin in Ober Herzberg, Crause Straße aufgewachsen. Ich war 4 Jahre als meine Eltern sich entschieden auszuwandern. Das Harzplatzteam hat mich eingeladen, meinen Lebenslauf auf dem Internet zu veröffentlichen. http://www.harzplatz.de/ Auswanderung bringt viel Streß und Spaß. Ich leide an Sehnsucht und Heimweh. Gespendete Flugtickets werden dankbar angenommen. *bitte lachen*

Australien

Adelaide, Süd Australien liegt 20,000 KM von Herzberg entfernt. Ich besitze ein Haus in dem Vorort Seaford 40km südlich von Adelaide und 300 meter entfernt vom Strand. Die Hauptbevölkerung Australiens befindet sich in den Großstädten wie Sydney, Melbourne, Perth, Darwin. An der Ost und Südküste liegen viele kleinere Städte und Dörfer. Das Klima ist im Winter mild. Schnee gibt es in den Snowy Mountains NSW und VIC. Sommertemperaturen liegen zwischen 25 und 35 Grad. Hitzewellen steigen bis zu 42 Grad.

Die Auswanderung

Aller Anfang ist schwer! Der Krieg war zu Ende. Mein Vater (Feinmechaniker) war arbeitslos und abenteuerlustig. Wir verließen Deutschland mit einem Schiff durch den Suez Kanal, über Ceylon Indien, nach Sydney in ein Einwanderungslager in Orange. Die Betten bestanden aus Stroh und Draht. Unglaublich, aber wahr! Hier wohnten wir 2 Monate. Meine Mutter wurde sehr krank und war unzufrieden mit der Behandlung. Mein Vater war enttäuscht von der Unterkunft und fuhr nach Broadmeadows in Melbourne. Der Zustand in diesem Lager war erträglicher. Wir zogen um und wohnten knapp 12 Monate in diesem Auffanglager. Mein Vater fand Arbeit und meine Mutter sorgte für mich. In diesem Lager wohnten auch Verwandte von uns. Onkel Gerhard Piechatcheck, Mutters Bruder mit seiner Frau waren 6 Wochen vor uns ausgewandert. Nun waren wir nicht mehr ganz alleine.

Die Anfangsschwierigkeiten

Es gab viele Schwierigkeiten fur meine Eltern. Außer Sprachschwierigkeiten mußte mein Vater beruflich umschulen von dem Dezimalsystem auf das englische Imperial System und von dem Beruf eines Feinmechanikers zu einem Werkzeugmacher. Die Anstrengungen überforderten ihn so sehr, daß er seine Harre verlor. Zum Glück wuchsen diese später wieder nach. Wir wohnten eine kurze Zeit in Kingsville, West von Melbourne. Dann zogen wir nach Yarraville.

Mit 5 Jahren machte ich meinen Schulanfang und meine Englischen Sprachkenntnisse überholten schnell mein Deutsch obwohl meine Eltern nur Deutsch mit mir sprachen. Meine Mutter fand Arbeit und die Nachbarin kümmerte sich um mich vor und nach der Schule. Die Schule war glücklicher Weise nur 100 meter entfernt. Meine Eltern haben schwer gearbeitet und gespart. Vater machte viele Überstunden besonders an Samstagen. Seine Arbeitstelle war 15km entfernt. Sie verließen die Wohnung in der Frühe und waren erst abends wieder daheim. Dann zahlten sie ein neues Auto an.

In 1958, war ich fast 7 Jahre, meine Eltern ließen sich ein Haus bauen in der Siedlung Greensborough, 25km östlich von Melbourne. Die Ausgaben waren zu hoch und so wurde das neue Auto durch ein billigeres ersetzt. Nun war meine Schule 2km entfernt und es gab keine Nachbarin die auf mich aufpaßte. Einwanderer waren leider nicht bei allen Australiern beliebt und so sammelte ich auch unangenehme Erfahrungen Der Krieg war in durch das Fernsehen in frischer Erinnerung erhalten und Schimpfwörter wie Nazi und Hitler verfolgten mich oft. Die Kinder waren sehr herausfordernd und angriffslustig. Sie schmissen oft mit Steinen nach mir. Die 18 jährige Nachbarstochter beschützte mich oft in meiner Not. Nach der Schule war ich immer alleine. Unser Vorort war neu und einen Spielplatz gab es nicht. In meiner Umgebung gab es nur wenige Häuser und kaum Kinder zum Spielen. Die Straßen waren auch noch nicht angelegt.

In 1960 kauften meine Eltern unseren ersten Fernseher. Mit den Jahren legte sich die Rassenhetze. Meinem Vater erging es so wie mir. Einwanderer waren fleißig, sparsam, kauften und bauten. Sie verschafften sich eine neue Existenz. Viele Australier waren nicht so strebsam. Sie waren eifersüchtig. Meine Mutter arbeitete hauptsächlich mit Deutschen Frauen zusammen und blieb von diesem Problem verschont. Leider wiederholt sich heute dieses Problem. Die Antisympathie gehört nun den Asiaten, obwohl es jetzt mehr Einwanderer in diesem Land gibt als Einheimische. Die Geschichte hört sich vielleicht sehr negative an aber, es gab selbstverständlich auch positive Erlebnisse. Australien ist ein schönes Land. Die Freiheit ist immer noch phantastisch. Hier gibt es keinen Krieg und wir sind sehr weit entfernt von vielen Problemen der Welt.

Eine große Überraschung

In 1968 entschließen sich meine Eltern, wieder nach Herzberg zurückzukehren. Meine Lehre war nur halb vollendet, ich hatte viele Freunde und eine feste Freundin. Es gab keinen Platz bei meinem Freund Peter. Die Familie hatte 6 Kinder. Mein Vater bat mich mitzukommen und die Lehre in Deutschland fertig zu machen. Meiner Freundin versprach ich einen Schnellen Rückkehr. Nach dem Haus und Möbelverkauf wohnten wir bis November zur Miete.

Wir zogen dann zu meinem Onkel Gerhard und erwarteten unsere Abreise mit dem Schiff Ende November 1986. Ich wollte vom Schiff abspringen Nachdem wir uns verabschiedet hatten, verließen wir den in der Entfernung immer kleiner werdenden Melbourner Hafen. Bei der Ankunft in Sydney, überkam mich das Gefühl hier abspringen zu wollen. Ich wollte nach Hause, nach Melbourne, wo ich ja schließlich aufgewachsen war.

Die Fahrt ging aber weiter und ich lernte nette junge Leute kennen und machte viele Freundschaften. Im Dezember 1968 fuhren wir über New Zealand und Tahiti durch den Panama Kanal nach Bremerhafen. Wir kamen aus dem Hochsommer in den europäischen Winter. Meine Großeltern Dallwitz holten uns ab. Sie wohnten in der Lerchen Straße. Mein Opa war Oberförster im Herzberger Schloß. Trotz des vielen Schnees, überkam ich meine Sehnsucht nach Australien und meiner Freundin.

Mein Vater kaufte wieder ein Auto und wir besuchten unsere Freunde und Verwandten in Bochum, München, Köln und Essen. Meine Mutter kam nicht mit. Vater und ich suchten nach Arbeit. Der Lohn als Autoschlosser in der Lehrzeit war leider sehr niedrig. Ich fand eine Stellung als Hilfsarbeiter an einer Klebe-machine in der Herzberger Papier Fabrik. Erich Holzapfel war mein Vorarbeiter. Ich verdiente gut. Wieder stellten sich für mich Sprachschwierigkeiten ein. Schriftliches Deutsch hatte ich nie gelernt. Nun konnte ich mir vorstellen wie es meinen Eltern erging als sie nach Australien kamen. Jeder war sehr an Australien interessiert. Ich bekam viel Hilfe von unseren Nachbarn Manfred, Hannelore und Heiko Klingenberg. Sie spielten Musik in den Gaststätten Samstag abends. Es dauerte 9 Monate bis ich auf Deutsch denken konnte. Dann lernte ich schneller und sprach flüssiger. Um das Lesen und Schreiben kümmerte ich mich wenig. Ich war 18 Jahre jung, verbrachte meine Zeit in Diskotheken und lernte einen Diskjockey in der "Köte" Junkerstraße kennen. In Pölde wurde ich dann auch zu einem D.J. Ich lebte mich gut ein, hatte Arbeit und viele Freunde und Freundinnen. Ich hatte 3 feste Freundinnen, Als meine letzte Freundin und ich erfuhr, daß meine Eltern wieder zurück nach Australien wollten, beendete wir unsere Romantische Verhältnis.

Wieder zurück nach Australien

Ich fühlte mich verpflichtet wieder mit meinen Eltern zu fahren obwohl es nicht mein Wunsch war. Eine Woche vor unserer Abreise im Februar 1970, arrangierte mein Freund Hans-Joachim (Hansi) Degener, eine Abschiedsfeier. Wir hatten viel Spaß und mein großer Freudenkreis war dabei. Das Schiff hatte 2 Wochen Verspätung und so hatte ich Gelegenheit mich von vielen Leuten, besonders den älteren die nicht bei der Party anwesend waren, zu verabschieden. Es war sehr traurig. Ich war sehr jung , hatte meine eigenen Interessen und bereue nun, nicht mehr Zeit mit meinen Großeltern verbracht zu haben. Sie waren trotzdem alle sehr gut zu mir, die Dallwitz und die Piechatcheks. Nachdem wir uns von beiden Omas im Bremerhafen verabschiedeten, fuhr das Schiff über South Hampton, Las Palmas und Perth nach Melbourne. Auf dem Schiff lernte ich Zwei Maedchen kennen. Beide haben eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Eine fuhr nach Adelaide und es entstand ein enger Briefverkehr, welcher mein Leben für mich für immer veränderte.

Ankunft in Australien

Wir wohnten 12 Monate bei meinem Onkel Gerhard in Glenroy, 15km nördlich von Melbourne in einer kleinen ausgebauten Wohnung auf seinem Hof. Vater, Mutter und ich fanden Arbeit bei Ericsson, einer Telefon Firma. Meine Lehre als Autoschlosser interessierte mich nicht mehr. Diesmal gab es nicht die großen Anfangsschwierigkeiten. Meine Freunde sorgten dafür. Leider fand meine Freundin jemand anders. Pech! Aber ich war ja auch nicht treu geblieben. Das berufliche Umlernen war leicht, da ich mich schon immer für elektrische Sachen interessierte. Die Sehnsucht nach Herzberg begann und ich sparte für einen langen Besuch in meiner Heimat. Die Entfernungen in Australien sind sehr groß. Ich machte den gleichen Fehler wie mein Vater und kaufte ein neues Auto. Wir bauten ein Haus in der Siedlung Frankston 40km entfernt von unserer Arbeit und meinem Onkel. Frankston lag 2,5km vom Strand entfernt. Ich fand dann endlich Arbeit in Frankston. Ostern 1971 besuchte ich Meine Freudin in Adelaide. Adelaide ist 800km von Melbourne entfernt. Ich war immer noch verliebt und besuchte sie fast alle 3 Wochen. Der Verkauf des Autos ermöglichte mir öfters mit dem Flugzeug auf Besuch zu fahren.

Nach 14 Monaten, am 2.Juni 1972 zog ich dann nach Adelaide. Es war ein trauriger Tag für meine Eltern und Mutters Gesicht blieb mir in steter Erinnerung. Ich versprach Meine Freudin zu heiraten und sie nach Melbourne zurückzubringen. Leider ging das nicht in Erfüllung. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, wie meine Großeltern sich fühlten als meine Eltern in ein fremdes Land auswanderten. Das Leben geht weiter. Ich begann meine Lehre als Telefon Mechaniker mit Telecom Australia. Nach unserer Heirat, ließen Meine Frau und ich uns ein Haus in Christies Beach bauen. Meine Eltern zogen von Melbourne nach Adelaide und wohnten 6 Wochen bei uns. Dann zogen sie nach Port Noarlunga South in ihr eigenes Haus, direkt am Strand. Meine Frau und ich ließen uns nach einer 15jährigen kinderlosen Ehe scheiden.

Mein Leben mit Lynda

Ich lernte Lynda (Linda) meine jetzige Frau kennen. Meine Tochter Carina (Karina) wurde geboren und nach 12 Monaten heirateten wir in der Anwesenheit von Lynda's Vater und Bruder, die besonders dafür aus England anreisten. Lynda war auch geschieden und so war es für uns beide die zweite Ehe. Lynda war in 1972 von England ausgewandert. Also bin ich mit einer Engländerin verheiratet. 1991 kauften wir unser jetziges Haus in Seaford. Im Mai 1992 verließ ich Telecom Australia und machte mich selbständig. Ich installiere Fernsehe Antennen und Satellit Schüsseln, arbeite als Telefon Mechaniker und mache Kontrakt Arbeiten. Augenblicklich leidet die Industrie leider an Arbeitsaufträgen. Mai 1992 wurde mein Sohn Shaun (Schorn) geboren.

Besuch aus Herzberg

Mein Cousin Andreas Mühner, Sohn meiner Mutters Schwester, besuchte mich mehrmals bis Mai 1995. Jürgen Dallwitz mein Cousin aus Hanover besuchte uns auch einmal. Freunde Gisela und Rüdiger Sonntag, aus der Diskjockey Zeit 1969, besuchten mich im August 1997. Sie blieben 3 Wochen. Die Freude war groß.

Mit 45 Jahren wurde ich Australier

Es war erforderlich für unseren geplanten Urlaub nach England, die Australische Staatsangehörigkeit anzunehmen damit unsere Australischen Kinder uns nach Übersee begleiten können. Lynda hatte ihre Englische Staatsangehörigkeit und so wurde ich dann naturalisiert Jetzt bin ich leider ein Australier. Die Gesetze bestimmen, obwohl ich in meinem Herzen ein echter Harzer bin! Urlaub in der alten Heimat Nach einem 7 wöchigen phantastischem Aufenthalt in Super London, fuhren wir nach Herzberg. Der erste Spaziergang in der Hauptstraße brachte Tränen in die Augen. Zum Empfang schneite es am nächsten Tag. Es war der 18. November 1996. Carina und Shaun waren 6 und 4 Jahre. Sie hatten unheimlichen Spaß im Schnee. Wir waren sehr dankbar für die nette Aufnahme und Unterkunft bei mein Cousin Andreas Mühmer. Wir besuchten Oma täglich. Sie verstand sich ausgezeichnet mit den Enkelkindern und alle hatten viel Spaß miteinander. Leider war die Zeit viel zu kurz und das Geld zu schnell verbraucht.

Schlußwort eines Auswanderers

Australien war und ist gut für mich. Leider habe ich den Kontakt zu meinen Großeltern und Verwandten sehr vermißt. Ich sehnte mich oft danach von Oma und Opa verwöhnt zu werden, mal ins Kino oder in den Zoo zu gehen. Ich habe auch heute keine Andenken an sie. Ich lebe so weit entfernt von meiner Heimat und kann immer noch nicht begreifen, daß alle meine Großeltern nun verstorben sind. Vaters Bruder Bernt, habe ich nur ganze vier mal in 48 Jahren gesehen. Wenn man auswandert, kann man die lieben Familien, Verwandten, Freunde und materialistischen Eigentum nicht mitnehmen. Häufig wird ausgewandert, mit den Gedanken oder der Hoffnung, daß man ja wieder in die Heimat zurück kehren darf. Man findet aber Arbeit, erwirbt ein Haus und baut sich eine neue Existenz auf. In der alten Heimat hat sich viel verändert und man hat sich ja auch an den neuen Lebensstil im Ausland gewöhnt. Wir fuhren zurück in unsere Australische Heimat. Also, das ist die Geschichte von Wofram Dallwitz, ein Herzberger im Ausland

 

Ich danke meine Gute Freunde Jutta und Hans Macht, sie haben mir geholfen mit diese Geschichte wenn es im Bearbeitung war. Damals war mein Deutsch sehr schlect, heutzutage ist es etwas besser.